Wörterbuch
der Sozialpolitik

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Working Poor

Working Poor sind Haushalte, die trotz Erwerbstätigkeit kein Einkommen erreichen, das über der Armutsgrenze liegt. Diese Umschreibung für erwerbstätige Arme, wie Working Poor im deutschsprachigen Raum genannt werden, enthält drei kritische Aspekte.
Der Begriff der Working Poor wird auf Haushalte und nicht auf einzelne Personen bezogen. Damit wird der Begriff gegenüber der Problematik der Niedriglohnempfängerinnen und -empfänger abgegrenzt.
Das Ausmaß der Erwerbstätigkeit wird nicht weiter spezifiziert. In der nationalen Armutsstudie von Leu et al. (1997) wird von einem Beschäftigungsgrad von 100 Prozent eines Haushaltsmitglieds ausgegangen. Damit lehnt man sich an das so genannte Ernährerlohnmodell an. In der Studie von Caritas Schweiz wird darum vorgeschlagen, von einem Beschäftigungsgrad von 100 Prozent für den gesamten Haushalt auszugehen, um dem Trend zur Teilzeitarbeit und der zunehmenden Erwerbstätigkeit der Frauen besser gerecht zu werden. Allerdings bleiben auch so Teilzeit erwerbstätige Alleinerziehende und all jene, die keiner vollumfänglichen Erwerbstätigkeit nachgehen können, unerfasst.
Die Höhe des Haushaltseinkommens wird mit einer Armutsgrenze verglichen. In allen Studien wird dabei auf die Richtlinien der Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe verwiesen. Wenn das Haushaltseinkommen unter diese Beträge zu liegen kommt, können Unterstützungsleistungen der kantonalen Sozialhilfe beansprucht werden.
Der Begriff der Working Poor stammt aus dem angelsächsischen Raum. Dort wird er seit den 1960er-Jahren für Erwerbstätige in prekären Arbeitsverhältnissen verwendet. In den 80er-Jahren sprachen dann auch in der Schweiz erste kantonale Armutsstudien von den Working Poor, ohne dass dem viel Beachtung geschenkt worden wäre. Doch schon damals lebte der überwiegende Teil der armutsbetroffenen Menschen in der Schweiz in Working-Poor-Haushalten. Erst Ende der 90er-Jahre erkannte man dann die Brisanz der Thematik. Während dieser Jahre erlebte die Schweiz eine tiefe wirtschaftliche Krise, und die Zahl der Working Poor nahm in diesem Zeitraum deutlich zu.
Arbeitsmarkt- und sozialpolitische Maßnahmen sollen das Ausmaß der Working Poor in der Schweiz reduzieren. Ein Minimallohn von 3000 Franken ist heute in den meisten Gesamtarbeitsverträgen festgeschrieben. In der sozialpolitischen Diskussion sind darüber hinaus steuerliche Entlastungen für Familien, erwerbsabhängige Ergänzungsleistungen für Familien, eine Erhöhung der Kinderzulagen und eine Ausweitung des Angebots für die familienergänzende Kinderbetreuung.

Verweise: Armutsgrenzen Atypische Beschäftigungsformen Prekarisierung Richtlinien für die Ausgestaltung und Bemessung der Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien)

Internet:

  • http://www.skos.ch

    Literatur:

  • Caritas Schweiz, Trotz Einkommen kein Auskommen - working poor in der Schweiz, Caritas, Luzern 1998
  • Michael Gerfin, Robert E. Leu, Stephan Brun, Andreas Tschöpe, Armut unter Erwerbstätigen in der Schweiz: Eine Beurteilung alternativer wirtschaftspolitischer Lösungsansätze, Staatssekretariat für Wirtschaft seco, Bern 2002
  • Robert E. Leu, Stefan Burri, Tom Priester, Lebensqualität und Armut in der Schweiz, Haupt, Bern 1997
  • Elisa Streuli, Tobias Bauer, Working Poor in der Schweiz. Gesamtbericht einer Untersuchung über Konzepte, Ausmass und Problemlagen aufgrund der Daten der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung, Bundesamt für Statistik, Neuenburg 2002.

    Carlo Knöpfel


    Wohnungspolitik Zero Tolerance (Null-Toleranz)