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der Sozialpolitik

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Soziokulturelle Animation

Gesellschaftlicher Wandel verlangt von allen Anpassungsleistungen, grundlegende Umorientierungen und Lernprozesse. Werte und Normen müssen neu verhandelt werden. Vor diesem Hintergrund erhält soziokulturelle Animation ihre Bedeutung. Ihre gesellschaftliche Funktion ist die subsidiäre Realisierung von Teilhabe und Teilnahme. Sie unterstützt eine aktive Lebensgestaltung unterschiedlichster Gruppen und bemüht sich um sozialen und kulturellen Ausgleich.
Soziokulturelle Animation wird durch privat- oder öffentlich-rechtliche Trägerschaften ermöglicht, z.B. in Gemeinschafts- und Quartierzentren, in Schüler- und Jugendtreffs, auf Spielplätzen, an Stellen für offene oder mobile Jugendarbeit, in Präventionsprojekten, in Kulturzentren, an Impulsstellen für kirchliche Verbandsarbeit, in Flüchtlingszentren, in Pfarreien, in der Bildungsarbeit der Gewerkschaften und in Freizeitdiensten von Betrieben, im Sport- und Tourismusbereich usw.
Soziokulturelle Animation ist eine professionelle Dienstleistung für Bewohnerinnen und Bewohner in einem Gemeinwesen. Sie orientiert sich an deren Interessen und fördert das soziale und kulturelle Zusammenleben. In der Regel arbeitet sie mit Freiwilligen. Bei der Gestaltung vom Lebensraum vermitteln diese zwischen Anliegen verschiedener Bevölkerungsgruppen, staatlichen und privaten Organisationen.
Soziokulturelle Animation interveniert in den gesellschaftlichen Teilbereichen Politik, Bildung, Kultur und Soziales. Der informelle Charakter und die Niederschwelligkeit von Projekten, die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Adressatinnen und Adressaten und die Anknüpfung an ihre Kultur sind zentral.
Als professionelle Tätigkeit erfüllt soziokulturelle Animation in ihren Interventionsbereichen insbesondere vier Funktionen: 1. Partizipation im Interventionsfeld Politik und Gemeinwesenentwicklung; 2. kulturelle Vermittlung im Interventionsfeld Kultur/Kunst; 3. Prävention im Interventionsfeld Soziales; 4. Bilden im Interventionsfeld Bildung.
Wenn soziokulturelle Animatorinnen und Animatoren in den genannten vier Bereichen aktiv werden, dann spielen sie auch bestimmte Rollen: 1. Die Rolle Animator/Animatorin vollzieht sich im Dreischritt "anregen - ermutigen - befähigen" und bezweckt, Zielgruppen zu Selbsttätigkeit zu aktivieren. 2. In der Rolle Konzeptor/Konzeptorin erforschen sie das Umfeld und erheben Daten über den Aktivierungsbedarf der Bevölkerungsgruppen. 3. In der Rolle Organisator/Organisatorin werden interessierten Individuen, Gruppen usw. unterstützende Arrangements (Aktionen, Projekte u.a.) angeboten. 4. Die Rolle Mediator/Mediatorin bedient sich eines Repertoires vermittelnder Tätigkeiten im weitesten Sinne. Sie reichen von Kulturvermittlung bis Mediation im Konfliktfall.
Die Methoden der soziokulturellen Animation umfassen das Arrangieren von Lernsituationen ebenso wie die gezielte soziologische Erforschung quartierbezogener Strukturen. Ihre Aktionen und Projekte sind partizipativ gestaltet. Die soziokulturelle Animation benutzt oft Projektplanungsmethoden. Auf Nachhaltigkeit ihres Wirkens wird großer Wert gelegt.

Verweise: Gemeinwesenarbeit

Literatur:

  • Jean-Claude Gillet, Animation, Verlag für Soziales und Kulturelles, Luzern 1998
  • Heinz Moser, Emanuel Müller et al. (Hrsg.), Soziokulturelle Animation, Verlag für Soziales und Kulturelles, Luzern 1999
  • Marcel Spierts, Balancieren und Stimulieren, Verlag für Soziales und Kulturelles, Luzern 1998.

    Bernard Wandeler


    Sozialziele Soziologie