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Wörterbuch der Sozialpolitik A - B - C - D - E - F - G - H |
Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen sind freiwillige autonome Zusammenschlüsse unter Menschen, die sich in derselben, meist schwierigen Lebenslage befinden, als Direktbetroffene wie auch als Angehörige. Bei den regelmäßigen Treffen steht die gegenseitige Beratung und Unterstützung im Hinblick auf das gemeinsame Thema im Vordergrund. In der Schweiz gibt es rund 2000 Selbsthilfegruppen mit rund 22000 Mitgliedern zu 330 verschiedenen Themen.
Die ursprüngliche Kontroverse, ob der Verzicht von Selbsthilfegruppen auf fachliche Leitung nicht eine unverantwortliche Überforderung Betroffener durch die Kumulierung schwerer Schicksale darstellt, wurde durch Erfahrungen abgelöst, die in eine ganz andere Richtung weisen. Man hat sowohl die Selbstregulierungsprozesse, die in den demokratisch strukturierten Gruppen stattfinden, wie auch die tragfähigen Bande, die sich aus der Schicksalsgemeinschaft ergeben, unterschätzt. Es findet in Selbsthilfegruppen ein empowerment im klassischen Sinn statt und Menschen finden dort nicht nur Antworten auf viele Alltagsfragen, sondern ebenso einen Zuwachs an Selbstvertrauen, Handlungsfähigkeit und Lebenssinn. Wenn man die Beitrittsmotive Betroffener mit den Kohärenzkriterien der Salutogenese vergleicht, stellt man eine erstaunliche Übereinstimmung fest. Offenbar zielen Selbsthilfegruppen genau auf das ab, was in der Forschung als wesentlich für einen gesunden Umgang mit Lebensproblemen erkannt wurde. In diesem Sinn kann man Selbsthilfegruppen als eigentliche Kohärenzwerkstätten bezeichnen. Selbsthilfegruppen entstehen zwar aus eigener Initiative, aber nicht unabhängig von der Förderung, die sie erfahren. Man weiß, dass sie dort, wo eine themenübergreifende regionale Kontaktstelle im Sinne einer "Ermöglichungsstruktur" besteht, um ein Vielfaches zahlreicher entstehen und gedeihen. Der Anerkennung von Selbsthilfegruppen muss nun eine beherztere Förderpolitik folgen mit einer entsprechenden gesetzlichen Verankerung. Folgende Forschungsprojekte sind zu erwähnen: - Hochschule für Soziale Arbeit Luzern, Jürgen Stremlow (Leitung): Selbsthilfe und Selbsthilfe-Förderung in der Schweiz - Eine Grundlage zur Erfassung der Selbsthilfe-, Versorgungs- und Förderungsverhältnisse in der Schweiz unter besonderer Berücksichtigung aktueller gesundheits- und sozialpolitischer Entwicklungsprobleme. - Schweizerisches Gesundheitsobservatorium Neuenburg, Dr. Bernhard Borgetto, Universität Freiburg i.Br. (Leitung): Stand und Entwicklungsmöglichkeiten der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe in der Schweiz. Verweise: AIDS/HIV Alkoholismus Selbsthilfe Internet: Literatur:
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