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Rassismus

Rassismus bezeichnet eine Ideologie, die Menschen aufgrund physiognomischer oder kultureller Eigenarten oder aufgrund ihrer ethnischen, nationalen oder religiösen Zugehörigkeit in angeblich naturgegebene Gruppen - so genannte Rassen - einteilt und diese hierarchisiert. Menschen werden nicht als Individuen, sondern als Mitglieder solcher pseudoverwandtschaftlicher Gruppen mit kollektiven, weitgehend als unveränderbar betrachteten Eigenschaften beurteilt und behandelt. Der klassische Rassismus beruhte auf der fälschlichen Annahme, die Menschheit lasse sich in genetisch voneinander unterschiedliche "Rassen" mit unterschiedlichen psychischen Eigenschaften unterteilen. Er diente der Rechtfertigung des Kolonialismus, der Sklaverei, der Verbrechen der Nazi oder des Apartheidregimes. Seit den 1960er-Jahren (Entkolonialisierung, Emanzipations- und Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen in den USA) wird Rassismus vielfach auch für direkte, indirekte, institutionelle und strukturelle rassische Diskriminierung verwendet. Es ist aber sinnvoll, auf der Handlungsebene rassische Diskriminierung sowohl von Rassismus als Ideologie wie auch von anderen Formen der Diskriminierung abzugrenzen. Rassendiskriminierung ist jede Praxis, die Menschen aufgrund physiognomischer Merkmale und/oder ethnischer Herkunft und/oder kultureller Merkmale (Sprache, Name) und/oder religiöser Zugehörigkeit Rechte vorenthält, sie ungerecht oder intolerant behandelt, demütigt, beleidigt, bedroht oder an Leib und Leben gefährdet. Rassendiskriminierung kann, muss aber nicht ideologisch (Rassismus) begründet sein. An der Weltkonferenz gegen Rassismus und Intoleranz (2001) wurde insbesondere die Problematik der mehrfachen Diskriminierung ins Zentrum gerückt (etwa als schwarzer Muslim oder als Thailänderin mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung).
Seit 1995 (nach dem Beitritt zum Internationalen Übereinkommen von 1965 zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung) werden öffentliche Formen der Rassendiskriminierung in der Schweiz durch Artikel 261bis StGB als Offizialdelikt geahndet. Eine Regelung gegenüber rassistischer Diskriminierung im privaten Bereich (z.B. Arbeit, Wohnen), wie sie in der EU angestrebt und in Artikel 8 der Bundesverfassung postuliert wird, steht noch aus.

Verweise: Menschenrechte (Europäische Konvention der) Migration Rechtsextremismus

Internet:

  • http://www.edi.admin.ch/ara
  • http://www.gra.ch

    Literatur:

  • Roland Aegerter, Ivo Nezel, Sachbuch Rassismus. Informationen über Erscheinungsformen der Ausgrenzung, Pestalozzianum, Zürich 2000
  • Nora Räthzel, Theorien über Rassismus, Argument, Hamburg/Berlin 2000
  • Johannes Zerger, Was ist Rassismus? Eine Einführung, Lamuv, Göttingen 1997.

    Michele Galizia


    Rasse und Wissenschaft Rat der Europäischen Union