Wörterbuch
der Sozialpolitik

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Identitätspolitik

Das Ende nationalstaatlicher Referenzsysteme, die "neue Unübersichtlichkeit", aber auch die Individualisierungstendenzen moderner Gesellschaften haben auf individueller und kollektiver Ebene zu einer Suche nach Identität geführt, die sich in Form von Infragestellungen der tradierten Orientierungen, aber auch sozialer Destrukturierung in urbanen Kontexten äußerten. Aktiv suchen vor allem Gruppen über Abkapselung auf diese Veränderungen zu reagieren und ihre Identität zu sichern. Dabei laufen sie Gefahr, vom Regen der Identitätskrise in die Traufe des Sektierertums zu kommen. Politisch reagierten vor allem neokonservative Kräfte zu Beginn der 1980er-Jahre auf diese Identitätskrise. Deren Maßnahmen bestanden vor allem in einer defensiven Investition in identitätsstiftende Werte und Orte. Heimatmuseen entstanden und Nischenkulturen in Städten wurden gefördert, und zwar mit dem Ziel, die destrukturierenden Anforderungen der Modernisierung von Wirtschaft und Sozialstaat, die vor allem in einer generellen Flexibilisierung der Lebenszusammenhänge bestanden, durch identitätsstiftende Orte und Bräuche zu kompensieren. Gleichzeitig entwickelten Städte und Planungsinstanzen aktive Politiken, die die Regenerierung von Räumen durch die Förderung sozialer Beziehungssysteme anvisierten. Quartiere, Straßen, Selbsthilfegruppen wurden so zu Keimzellen der Erneuerung einer sozial destrukturierten Gesellschaft. Identitätspolitik über Stadtmarketing, Quartierfeste und Stadtfeste, aber auch über Quartiererneuerung wird damit zu einem Markenzeichen von Städten und Gemeinden, die soziales Kapital fördern, um wirtschaftlich und politisch handlungsfähig zu bleiben.

Verweise: Kernstadt Migration Urbanisierung

Literatur:

  • Hartmut Häußermann, Walter Siebel, Neue Urbanität, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987.

    Sandro Cattacin


    Humankapital Illegale Migration (Sans-Papiers)