Wörterbuch
der Sozialpolitik

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Gesundheitsversorgung (soziale Ungleichheit in der)

Die Gesundheit sozial schlecht gestellter Personen ist erwiesenermaßen schlechter als diejenige von Angehörigen höherer Sozialschichten, darüber existieren Hunderte von Publikationen. Über den Zusammenhang von Sozialschicht und Gesundheitsversorgung ist die Datenlage jedoch äußerst mangelhaft. Da die Angehörigen tiefer Sozialschichten häufiger und schwerer krank sind, muss erwartet werden, dass sie auch häufiger medizinische Leistungen in Anspruch nehmen, falls die Kosten durch eine Sozialversicherung gedeckt sind. Wo dies nicht der Fall ist, in der Schweiz z.B. im Bereich der Zahnpflege, lässt sich in den unteren Sozialschichten gleichzeitig eine deutlich schlechtere Zahngesundheit und eine geringere Inanspruchnahme von zahnärztlichen Leistungen beobachten.
Aufgrund der Daten der Schweizerischen Gesundheitsbefragung wird vermutet, dass im ambulanten medizinischen Bereich eine etwa gleich große Inanspruchnahme bei höherem Krankheitsgrad eine relative Unterversorgung darstellt. Im stationären Bereich sind Angehörige tiefer Sozialschichten vermehrt anzutreffen. Eine Erklärungsmöglichkeit dafür ist, dass diese erst in einem fortgeschritteneren Krankheitsstadium ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Auch Überversorgung ist bei tieferen Sozialschichten zu beobachten: Gut versicherte Personen mit tiefem Bildungsgrad erhalten mehr medizinische Leistungen von fraglichem Nutzen.

Verweise: Rationierung Zweiklassenmedizin

Literatur:

  • Christoph Junker, "Gesundheit in Abhängigkeit von der sozialen Schicht", in: Bundesamt für Statistik (Hrsg.), Gesundheit und Gesundheitsverhalten in der Schweiz 1997, Bundesamt für Statistik, Neuenburg 2000
  • Anne Witschi, Christoph Junker, Christoph Minder, Soziale Ungleichheit und Gesundheit in der Schweiz. Ergebnisse der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 1992/93, Institut für Sozial- und Präventivmedizin, Bern 2000.

    Christoph Junker


    Gesundheitskosten Gesundheitswesen(s) (Finanzierung des)