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Wörterbuch der Sozialpolitik A - B - C - D - E - F - G - H |
Generationen
Das Konzept von Generationen wird in sozialpolitischen und wissenschaftlichen Diskursen in mehrdeutiger Weise benützt. In der Forschungsliteratur lassen sich mindestens drei, und wenn sozialpolitische Diskurse berücksichtigt werden, sogar vier unterscheidbare Konzepte von Generationen festhalten. Die vier verwendeten Konzepte von Generationen sind:
1. Generation als Kategorie zur Unterscheidung von Abstammungsfolgen in Familien (genealogischer bzw. familial-verwandtschaftlicher Generationenbegriff). Der genealogische Generationenbegriff bezieht sich auf die Abfolge von Familienangehörigen. Die konkrete Ausgestaltung der familialen Generationenbeziehungen unterliegt sozialen, kulturellen und demografischen Veränderungen. Für moderne Gesellschaften ist charakteristisch, dass dank hoher Lebenserwartung ein Neben- und Miteinander verschiedener Familiengenerationen häufig ist. 2. Generation als pädagogisch-anthropologische Grundkategorie von Lern- und Erziehungsprozessen (pädagogischer Generationenbegriff). Der pädagogische Generationenbegriff spricht das Verhältnis zwischen vermittelnden und aneignenden Generationen an. Eine pädagogische Generation bezeichnet im Unterschied zu anderen Generationenbegriffen keine gesellschaftliche Gruppe, sondern eine Funktion zur Garantie von gesellschaftlicher Kontinuität angesichts fehlender genetischer Dispositionen des Menschen. 3. Generation zur Unterscheidung historischer und/oder sozialer Gruppierungen mit gemeinsamem soziohistorischem Hintergrund (historisch-soziale Generationen), in Anlehnung an Karl Mannheim. In dieser Perspektive werden Generationen als soziale Kategorien wahrgenommen, die aufgrund der Gleichzeitigkeit des Aufwachsens oder gemeinsam erfahrener Ereignisse soziale Gemeinsamkeiten (gemeinsame Interessen, Weltanschauungen usw.) aufweisen. Gemäß Mannheim gibt es keine Generationen ohne gemeinsames Generationsbewusstsein, und die Zugehörigkeit zu einem Geburtsjahrgang konstituiert nur den ersten Schritt der Generationenlagerung. Es sind gesellschaftliche Momente, welche zu einer historisch-soziologischen Generationseinheit führen. 4. Generation zur Beschreibung wohlfahrtsstaatlicher Verteilungsprozesse zwischen Altersgruppen (Stichwort: Generationenvertrag). Im Zusammenhang mit dem Ausbau der wohlfahrtsstaatlichen Strukturen - und namentlich der Altersvorsorge - erhielt der Begriff des "Generationenvertrages" eine verstärkte Aktualität. Bei dieser Diskussion steht ein sozialpolitisches Konzept von Generationen im Zentrum. Verweise: Alter Alterung, demografische Demografie Generationenkonflikte Jugend(sub)kultur Lebenserwartung Seniorinnen und Senioren Ungleichheit zwischen den Generationen Internet: Literatur:
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