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Wörterbuch der Sozialpolitik A - B - C - D - E - F - G - H |
Familienarbeit
Die Familie ist ein Sozialsystem, das ein bestimmtes Maß an Arbeit benötigt, um das Familienleben in all seinen Aspekten zu ermöglichen. Neben der Beschaffung der finanziellen Mittel gehört dazu viel unbezahlte Arbeit: Haushalt, Pflege von Kindern, Kranken, Alten, Pflege von Beziehungen - Tätigkeiten, die man insgesamt als Familienarbeit bezeichnen kann. Nicht nur, aber auch weil sie unbezahlt ist, ist die soziale Bewertung der Familienarbeit (Ansehen, Prestige, damit auch Selbstwertgefühl) wesentlich geringer als jene von Erwerbsarbeit. Nach wie vor herrscht eine starke Geschlechterdifferenzierung vor: Männliche Partner sind in erster Linie für Erwerbsarbeit zuständig, weibliche für Familienarbeit. In anderen Tätigkeiten (besonders jenen, die dem anderen Geschlecht zugeschrieben sind) engagieren sich beide meistens nur so weit, als es die Ansprüche ihrer Arbeitsstelle zulassen. Während die meisten Männer - vom Verlauf des Familienlebens kaum beeinflusst - Vollzeit arbeiten, ist das Ausmaß der Erwerbstätigkeit der Partnerinnen stark von den Familienphasen abhängig. Mit anderen Worten absorbieren die Partnerinnen weitgehend den wechselnden Umfang der Familienarbeit und ermöglichen damit ihren Partnern, von diesem Wechsel unbeeinflusst eine berufliche Karriere zu verfolgen. Sie bezahlen dies, anders als ihre Männer, mit Brüchen in ihrer eigenen beruflichen Karriere und oft mit beruflichem Abstieg. In den meisten industrialisierten Ländern leisten die Frauen, in Stunden gemessen, zwischen zwei und drei Viertel der gesamten Familienarbeit. Diese ungleiche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit zwischen den Geschlechtern hängt nur partiell von den persönlichen Überzeugungen der beteiligten Personen ab. Ungleich einflussreicher sind institutionelle Regelungen, die das soziale Umfeld der Familien organisieren. Dazu gehört auch das sozialpolitische Regime eines Landes.
Verweise: Arbeitszeit Familie Frauenerwerbsarbeit Unbezahlte Arbeit/Freiwilligenarbeit/Ehrenamt Literatur:
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