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der Sozialpolitik

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Bürgerrechte

Bürgerrechte begründen den Status für Vollmitglieder eines politischen Gemeinwesens. Alle Personen mit Bürgerrechtsstatus haben die gleichen Rechte. Etymologisch leitet sich der Begriff Bürgerrechte vom Wort Burg ab, welches auch befestigte Stadt bedeutete. In den mittelalterlichen Stadtstaaten war der Erwerb des Bürgerrechts an soziale Bedingungen geknüpft, in der Regel an Grundstücksbesitz. Im Zuge der demokratischen Revolutionen des 19. Jahrhunderts wandelte sich das mittelalterliche Bürgerrecht zum modernen Staatsbürgerrecht. Nicht nur die Besitzbürger (bourgeois), sondern alle Staatsangehörigen wurden schrittweise zu Staatsbürgern (citoyens). Zudem wurde der ursprüngliche Inhalt des Bürgerrechtstatus - die individuellen Freiheitsrechte - um demokratische und soziale Beteiligungsrechte erweitert. Später erlangten auch die Frauen die vollen Bürgerrechte. Bürgerrechte grenzen dennoch weiterhin einzelne Personen aus (z.B. Ausländer) und stehen deshalb im Spannungsverhältnis zu den universellen Grund- und Menschenrechten. Anderseits wurde 1992 mit der Unionsbürgerschaft im Maastrichter EU-Vertrag erstmals ein transnationaler Bürgerschaftsstatus geschaffen. Dies deutet darauf hin, dass Bürgerrechte nicht essenziell an nationale Grenzen gebunden sind.

Verweise: Politische Rechte

Literatur:

  • Heinz Kleger (Hrsg.), Transnationale Staatsbürgerschaft, Campus, Frankfurt am Main/New York 1997
  • Reinhart Koselleck, Klaus Schreiner (Hrsg.), Bürgerschaft. Rezeption und Innovation der Begrifflichkeit vom Hohen Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert, Klett-Cotta, Stuttgart 1994
  • Thomas H. Marshall, Bürgerrechte und soziale Klassen, Campus, Frankfurt am Main/New York 1992.

    Roland Erne


    Bundessozialversicherungsrecht Bürgertum