|
Wörterbuch der Sozialpolitik A - B - C - D - E - F - G - H |
Alter
In den westlichen Industriegesellschaften wird heute zwischen dem dritten (junge Alte) und vierten Alter (Hochaltrige) unterschieden. Vor allem das Letztere ist gekennzeichnet durch ein Nachlassen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, es gibt dabei aber große individuelle Unterschiede. Ebenso sind Wachstum und Stabilität bis ans Lebensende möglich (Lebenserfahrung, Weisheit, kognitive Leistungsfähigkeit).
Durch die Verbesserung der Hygiene hat die Lebenserwartung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts markant zugenommen. Gleichzeitig wurden auch die biologischen Alterserscheinungen zurückgedrängt. Im Gegensatz dazu findet die Pensionierung, die gemeinhin als Eintritt in das "Alter" verstanden wird, immer früher statt. Damit erweitert sich die Phase im menschlichen Lebenslauf, die durch eine große zeitliche Verfügbarkeit gekennzeichnet ist. Die finanzielle Absicherung weiter Teile der Bevölkerung nach der Pensionierung erleichtert zudem die Entwicklung dieses Lebensabschnitts und erhöht seine Attraktivität. In den 1950er- und 60er-Jahren versuchten Soziologen wissenschaftliche Theorien zum "optimalen" Altern zu entwickeln. Maßgeblich waren die activity theory (Robert Havighurst, Ruth Albrecht, 1953) und die disengagement theory (Elaine Cumming, William Henry, 1961). Die erste sieht das "richtige" Altern in der Beibehaltung der bisherigen Aktivitäten aus dem mittleren Lebensabschnitt. Für die zweite wird das Alter charakterisiert durch einen sukzessiven Rückzug aus allen Aktivitäten des Lebens, bis hin zum Tod. Heute wird nicht mehr nach einer alles erklärenden Alterstheorie gesucht. Altern wird als multifaktorieller Prozess verstanden, wobei dem kalendarischen Alter (vergangene Zeit seit der Geburt) nur eine kleine Bedeutung zukommt. Wesentlich wichtiger sind die individuelle Biografie mit Faktoren wie Bildungsniveau, Einkommen, Lebenshygiene, Wohnort usw. Diese Entwicklung favorisiert die Ressourcenorientierung und führt zu einer diversifizierten Ausgestaltung der Altersbilder. Die aktuelle Problemstellung bezieht sich auf den Lebenssinn der älteren Menschen. Die sozialen Rollen in unserer Gesellschaft stehen in maßgeblichem Zusammenhang mit der erwerbsmäßigen Berufstätigkeit. Durch den Wegfall dieser Aktivität beim Übergang in den "Ruhestand" findet auch der entsprechende Rollenverlust statt. Die optimale Integration der älteren Menschen wird entscheidend davon abhängen, ob die Gesellschaft fähig ist, neue sinnstiftende und aufwertende Rollen zu entwickeln. Zentrale Bedeutung kommt dabei den zwischenmenschlichen Kontakten und den Generationenbeziehungen zu, denn das Wohlbefinden der älteren Menschen wird maßgeblich durch soziale Faktoren beeinflusst. Verweise: Agismus AHV/IV Integrationspolitik Junge Alte Pensionierung (Rentenalter) Viertes Alter Internet: Literatur:
|